Archiv - Bericht über die 10. Frauenpolitische Fachtagung

 

Bericht über die 10. Frauenpolitische Fachtagung der

dbb Bundesfrauenvertretung am 19.03.2013

Was ist Frauen-Arbeit wert?

In ihrer Eröffnungsrede führte Helene Wildfeuer (Vorsitzende der dbb Bundesfrauenvertretung) aus, dass eine Untersuchung ergeben hat, dass die Doppelverdienerfamilie die Wunschvorstellung bei 2/3 der Bevölkerung ist. Tatsache aber ist, dass die tägliche unbezahlte Hausarbeit in der Hauptsache von Frauen nach ihrer Berufstätigkeit erledigt wird (ca. 37,5 Std./ Woche).

Am 21.03.2013 war der equal pay day. Sogar beim öffentlichen Dienst als Hauptarbeitgeber für Frauen (der Frauenanteil beträgt 53%.) gibt es einen Verdienstunterschied von 7% zu Lasten der Frauen. Ins Berufsleben starten Männer und Frauen noch mit gleichen Chancen und Motivationen. Das ändert sich, wenn die Frauen Familien gründen und Kinder zur Welt bringen. Denn sie müssen (i.d.R. wollen sie es auch) nach dem Mutterschutzgesetz eine Pause einlegen. Väter hingegen müssen nicht pausieren und können trotz Vaterschaft eine ununterbrochene Erwerbsbiografie vorweisen. Der provokante Vorschlag von Helene Wildfeuer hierzu ist die Einführung einer Vaterpflichtzeit.

Eine Alternative wäre hier das „nachzeichnen / fortschreiben“ der Beurteilung der Frauen die wegen Elternzeit / Pflegezeiten zu Hause bleiben.

Seit Jahren wird von der dbb Bundesfrauenvertretung die Einführung einer Frauenquote mit Sanktionsmöglichkeiten sowie transparente Bewerbungsverfahren eingefordert.

Als nächstes sprach Lutz Stroppe, Staatssekretär im Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Er führte aus, dass die Lohnlücke nicht hinnehmbar ist. Frauen verdienen mehr! Neben mehr Lohn gehören dazu aber auch bessere Entwicklungsperspektiven. In seinem Ministerium beträgt der Frauenanteil in der mittleren und oberen Führungsebene 50%. Er führte aber gleich einschränkend aus, dass dies zwar ein Erfolg ist, der Frauenanteil im Ministerium aber fast 70% beträgt, so dass auch in den Führungsebenen der Frauenanteil noch weiter erhöht werden muss.

Herr Stroppe warb für die Flexiquote, wonach die Höhe sich aus dem Gesamtanteil der im Unternehmen beschäftigten Frauen ergibt. Notwendig ist hier eine gesetzliche Verankerung die mit Sanktionsmöglichkeiten verbunden ist.
Ebenso müssen sich Männer mehr um Fragen der Kindererziehung und Pflege kümmern. Auch sind nicht nur die Gemeinden und Kommunen in die Verantwortung für die ausreichende Bereitstellung von Kinderbetreuungs-angeboten genommen worden, auch größere Betriebe sind aufgefordert, Kinderbetreuungseinrichtungen zu schaffen.

Ein Erfolg, der ausgebaut werden müsse (im Moment aber politisch schwer durchsetzbar ist), sei der Ausbau der Vätermonate. Wenn Bayern eines der Bundesländer mit der höchsten Inanspruchnahme der Vätermonate ist, müsse die Frage gestattet sein, ob andere politische Forderungen aus diesem Bundesland (Betreuungsgeld?) wirklich sehr bürgernah sind. Weiter plädierte er für die gesetzliche Verankerung des Rechtsanspruchs auf Vollzeit nach Teilzeit.

Abschließend empfahl er noch die Öffnung von Männerberufen für Frauen und von Frauenberufen für Männer.

Klaus Dauderstädt, Vorsitzender des dbb, wies in seinem Grußwort darauf hin, dass Qualifizierungsangebote starr an Vollzeit ausgerichtet sind. Dies muss geändert werden.

Stolz verkündete er, dass die jahrelange Forderung der dbb Bundesfrauen-vertretung nach 2 Frauen in der Leitung des dbb nun erfüllt ist. Zu erwähnen ist jedoch, dass neben den beiden Frauen 7 Männer in der Bundesleitung des dbb vertreten sind.

Noch größer wird das Missverhältnis beim Vorstand des dbb. Hier sind 8 Frauen und 37 Männer vertreten. Die Quote ist für eine fortschrittliche Gewerkschaft nicht hinnehmbar!

Herr Dauderstädt versprach diesbezüglich Besserung.

Prof. Dr. Margarete Schuler-Harms von der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg arbeitete am Gleichstellungsbericht mit.

Sie führte aus, dass es schon in der Ausbildung unterschiedliche Ansätze existieren.

Beim dualen Ausbildungsweg, der meist von Männern gewählt wird, wird Geld schon während der Ausbildung verdient.

Bei sozialen und betreuenden Berufen, die in der Regel von Frauen ausgeübt werden, muss meist noch für die Ausbildung bezahlt werden.

Frau Schuler-Harms fordert die Einführung der Frauenquote.

Im Gleichstellungsbericht für die Bundesregierung wurden folgende Forderungen erhoben:

  • Angleichung der Lebensarbeitszeit von Männer und Frauen
  • Angleichung der Wünsche von Frauen und Männer hinsichtlich der wöchentlichen Arbeitszeit
  • (Männer möchten eine geringere wöchentliche Arbeitszeit und Frauen eine etwas höhere wöchentlichen Arbeitszeit, beide streben eine Wochenarbeitszeit von 35 Std./ Woche an)
  • Notwendigkeit der eigenen Existenzsicherung (einschließlich der sozialen Sicherung im Alter) auch für Eheleute
  • Frauen sollen mehr als “Familienernährerinnen“ und Männer mehr als Erziehende und Betreuende gefordert und gefördert werden.

 

Weiterhin werden in dem Bericht die nachfolgenden Empfehlungen gegeben:

  • Rückkehranspruch von Teilzeit in Vollzeit
  • Ausweitung der Partnermonate bei der Elternzeit
  • Ganztagsbetreuung (auch schulbegleitend)
  • Staatliches Qualitätsmanagement
  • Mittagsmahlzeiten
  • Abschaffung des Betreuungsgeldes
  • Umfassende Überprüfung der die häusliche Pflege begleitende Einrichtungen bei der Reform des Pflegerechts

Dysfunktionale Komponenten sind das Ehegattensplitting und die beitragsfreie Mitversicherung von Eheleuten in der GKV. Beides begünstigt das Versorgermodell. Die Privilegierung der geringfügigen Beschäftigung muss abgeschafft werden. Außerdem empfiehlt der Gleichstellungsbericht die Alterssicherung als Bilanz des Arbeitslebens zu sehen, historische Zeiten von Lebensläufen (vor 1992) zu berücksichtigen, den Versorgungsausgleich zum Anwartsplitting fortzuführen sowie die Kindererziehungszeiten auszuweiten.

Anschließend machte Michael Steiner von der Prognos AG Basel Ausführungen zum Anteil und Wert der Hausarbeit und haushaltsnahen Dienstleistungen.

Zum Ende der Veranstaltung wurde nochmals der Wert von „typischer Frauenarbeit“ in unserer Gesellschaft verdeutlicht.

Zivil- und Armeedienstzeiten werden als Dienst anerkannt. Elternzeit nicht! Wie schizophren dies sein kann wird deutlich, wenn bei einer Kinderer-zieherin, deren berufliche Ausbildung und Tätigkeit die Erziehung von Kindern ist, die Zeiten für die Erziehung von eigenen Kindern nicht als Dienstzeit anerkannt werden. Dabei ist nicht nur die Landesverteidigung gesellschaftlich als notwendig anerkannt, sondern auch das Gebären und die Erziehung von Kindern.

Was also ist Frauenarbeit wert?