Archiv - Bericht über die Jahresveranstaltung zum LGG der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen

 

Bericht über die Jahresveranstaltung zum LGG der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen

am 24.01.2013

Thema: Beurteilungen

 

 

Zu Beginn erfolgte die Begrüßung der Teilnehmerinnen durch die Senatorin Frau Dilek Kolat. Sie führte aus, dass es auch in Berlin noch einiges zu tun gibt. Die Lohnlücke zwischen Männer und Frauen auch im öffentlichen Dienst muss verringert werden und auch bei der Gremienbesetzung ist die Umsetzung der Vorgaben des LGG nicht immer einfach.

Ebenso ist es nicht nur in der freien Wirtschaft schwierig, geeignete Frauen in Führungspositionen zu bringen, auch in den Geschäftsleitungen der Berliner Eigenbetriebe und im oberen und mittleren Verwaltungsmanagement geht die Steigerung des Frauenanteils nur langsam voran bzw. es gibt sogar Rückschritte.

Trotzdem kann Berlin stolz darauf sein, mit der letzten Novellierung eines der fortschrittlichsten Landesgleichstellungsgesetze Deutschland zu besitzen.

Danach erfolgte ein Vortrag von Herrn Dr. Richter über die wissenschaftliche Untersuchung der Gleichstellung im Landesdienst Mecklenburg-Vorpommerns im Kontext von Beurteilungen.

Grundsätzlich ist auch in Mecklenburg-Vorpommern festzustellen, dass je höher die Besoldung, desto größer die Überrepräsentanz der Männer.

 

Die Benachteiligung der Frauen ergibt sich hauptsächlich aufgrund

 

der Auszeiten in der Regel durch Kindererziehung,

Unterbewertung der beruflichen Tätigkeit der Frauen

geschlechtsspezifischen Klischees und durch

Beurteilungen.

 

Um objektive Personalbeurteilungen zu erstellen, müssen diese

 

emotions- und vorbehaltlos,

frei von Vorbehalten und Klischees,

frei von Eigeninteresse und

frei von Personal-strategischen Überlegungen sein.

 

Es sollten standardisierte Messinstrumente geschaffen werden, die für jede Person genau das messen, was zu messen vorgegeben war.

Leider ist der Prozentsatz der Beschäftigten, unabhängig von der Besoldungsgruppe und Geschlecht, der in geschlechtsspezifische Klischees denkt (in unterschiedlicher Ausprägung) relativ hoch. Herr Dr. Richter war nach der Untersuchung auch ziemlich pessimistisch, dass sich dies ändern könnte und man zu wirklich objektiven Personalbeurteilungen kommt.

Wesentlich optimistischer war Frau Dr. Frey vom Genderbüro Berlin, die danach einen Vortrag zu Beurteilungen unter dem Aspekt des Gender Mainstream hielt.

Es wurde untersucht, wie anfällig Beurteilungen für Verzerrungsaspekte sind, ob verschiedene Sichtweisen einbezogen und unterschiedliche Beurteilungsinstrumente kombiniert werden und ob Führungskräfte Unterstützung in Sachen geschlechtergerechte Beurteilung erhalten.

 

Mögliche Verzerrungsaspekte können sein:

 

Berufsgruppen-Effekt
Bei Berufsgruppen und Disziplinen mit hohem Frauenanteil können Beurteilungen schlechter ausfallen.

 

Teilzeit-Effekt
Personen, die in Teilzeit beschäftigt sind, werden schlechter beurteilt, da sie kürzer anwesend sind und deshalb nicht so leistungsfähig erscheinen.

Hierarchie-Effekt
Personen mit höherem Berufsstatus werden grundsätzlich besser beurteilt, aufgrund der höheren Berufserfahrung und/ oder des höheren Bildungsgrades.

Eltern-Effekt
Mütter werden in der Regel schlechter, Väter erstaunlicherweise teilweise besser beurteilt. Eine wissenschaftliche Untersuchung ergab, dass Mütter schlechter als kinderlose Frauen, Väter aber sogar besser als kinderlose Männer beurteilt werden.

Exzellenz-Effekt
Männern werden exzellente und Frauen sehr gute Leistungen zugetraut.

Als Ergebnisse der Untersuchungen des Genderbüros wurden folgende Punkte zur Vermeidung der oben angeführten Effekte aufgezeigt:

 

Man sollte das Individuum unabhängig vom Geschlecht wahrnehmen und sich der jeweiligen Persönlichkeit bewusst sein.

Man sollte sich der eigenen geschlechtsspezifischen Verhaltensmuster bewusst werden.
 

Als Fazit wurde festgestellt, dass leider keine absolut gerechten Beurteilungen existieren. Beurteilungen sind aber ein laufender Optimierungs- und Lernprozess. Sich der möglichen Effekte und Verzerrungen bewusst sein und diese zu meiden, ist ein Gewinn für alle.

Gabriela Kluge
Landesfrauenvertretung